Feier
des 60. Geburtstags von Maria
in der Fata Morgana

Die Gastgeber:
Maria, Bauchtänzerin von der Oase
Triesen
Hans, Karawanenführer von der Oase Triesen

Die geladenen Gäste:
Christof, Bauminister des Emirs von
Schaan
Regula, Flugbegleiterin des Emirs von Schaan
Fabian, 1. Lausbub des Bauministers
Jonas, 2. Lausbub des Bauministers
Michael, Fakir am Hof des Paschas von Pontresina
René, Mundschenk des Emirs von
Illnau
Marlene, Haremsdame des Mundschenks im Emirat Illnau
Max, Grossmufti von Illnau
Berti, 1. Gattin des Grossmuftis von Illnau
Leni, Lieblingsgattin des Agrarministers von Oberhasli
Martheli, Wahrsagerin aus dem Sultanat Winterthur
Beat, Pascha von Winterthur
Clara, Haremsdame des Paschas von Winterthur
Rico, Ordnungsminister im Emirat
Wiesendangen
Olinto, Grosswesir von Gams
Elisabeth, 1. Gattin des Grosswesirs von Gams
Godi, Navigator aller fliegenden Teppiche im Sultanat Flawil
Irene, Teppichknüpferin und Gattin des Navigators im Sultanat Flawil
Noldi, Schlangenbeschwörer am Hof des Kalifen von Grabs
Seraina, Gattin des Schlangenbeschwörers von Grabs
Ernst, Kalif von St. Gallen
Irma, Lieblingsgattin des Kalifen von St. Gallen
Wisi, Kalif von Galgenen
Mägi, 1. Gattin des Kalifen von Galgenen
Edith, 1. Gattin des Emirs von Altendorf
Toni, Schlangenbeschwörer am Hof des
Emirs von Oberbertschikon
Vreni, Gattin des Schlangenbeschwörers von Oberbertschikon
Hans, Obermufti von Wolfikon
Maya, Haremsdame des Obermuftis von Wolfikon
Günther, Scheich von Vaduz,
wichtigste Oase in der Steuerwüste
Irene, Lieblingsfrau des Scheichs von Vaduz
Christine, Geschichtenerzählerin von
Balzers
Rainer, Gatte der Geschichtenerzählerin von Balzers


Geladenen Gäste, die verhindert waren:
Tante Berti, Märchenerzählerin am
Hof des Emirs von Oberbertschikon
freute sich riesig auf dieses Fest, verstarb aber nach kurzer Krankheit wenige Tage vorher
Franz, Bäckermeister am Hof des
Sultans von Meggen
verstarb ebenfalls kurze Zeit vor dem Fest
Hanspeter, Emir von Altendorf
Ledi, Astrologe am Hof des Kalifen von Grabs
Mela, Lieblingsgattin des Astrologen im Kalifat Grabs
Ueli, Agrarminister des Sultans von Oberhasli
Emerich, Transportminister des
Sultans von Naters
Yvonne, Lieblingsgattin des Transportministers im Sultanat Naters
Peter, Muezzin von Vaduz am Hof des
Scheichs von Liechtenstein
Kiki, Gattin des Muezzins von Vaduz
"Die Reise in das Glück"
Michael und Christof erzählten als
Geburtstagsgeschenk ein Märchen im Stil von "1001 Nacht".
Ein kurzer Auszug daraus:
Unsere Geschichte spielt vor noch nicht langer Zeit, in einem schönen und fruchtbaren Land. Ein schlimmer Krieg war gerade beendet worden und so herrschte an vielen Orten grosse Armut. Im fernen Orient in einem Tal mit einem grossen Fluss wo Datteln an den Palmen hingen und allerlei Gemüse und Früchte auf dem fruchtbaren Boden reiften, lebte ein kleines Mädchen das Maria Martina hiess. Es wohnte mit seinen Eltern und 14 Geschwistern in einem grossen Lehmhaus. Der Vater war Sattler und arbeitete hart von morgens bis Abends. Ihre Mutter hatte mit den vielen Kindern alle Hände voll zu tun. So erstaunt es auch niemanden, dass die älteren Kinder schon früh im Haushalt mithelfen mussten oder zur Arbeit geschickt wurden. Es war für die Eltern nicht einfach immer alles Nötige zu bekommen.
Eines Tages kam Besuch ins Haus: Maria’s Patin kam aus einer fernen Stadt angereist um nach ihrem Schützling zu schauen. Sie fand das Mädchen inmitten der vielen Geschwister, wo sie sich mit den Schulaufgaben abmühte. Sie hatte grosses Erbarmen mit Maria, deren Zöpfe neckisch aus dem Kopftuch hervorguckten. Kurz entschlossen liess sie nach einem Taxi aus dem Nachbardorf rufen um diesem Dorfkind einmal die ferne Stadt zu zeigen, so dass es auf andere Gedanken komme. Nach kurzer Zeit parkte das Taxi – ein fliegender Teppich – vor dem Haus. Gotte und Maria verabschiedeten sich von den Eltern und den Geschwistern, setzten sich hinter den Taxifahrer auf den Teppich und entschwebten in die ferne Stadt. Hei war das ein Erlebnis für Maria Martina, so leichtfertig über Hügel und Dörfer zu schweben und nach einiger Zeit in einer riesigen Stadt mitten auf dem Platz der Gaukler zu landen. Die Patin zeigte ihrem Gottenkind den Souk mit seinen vielen Geschäften und emsigen Händlern. Was es da alles zu sehen und zu riechen gab: Gewürzhändler sitzen hinter riesigen Bergen fein duftender Gewürze, Färber ziehen die Wolle aus einer wunderschönen blauen Brühe, Tuchhändler verkaufen traumhaft schöne Seide. Maria war von all den Eindrücken überwältigt. Zuletzt wurde sie von ihrer Patin zu einer Wahrsagerin geführt. Sie machte sich grosse Sorgen über die Zukunft von Maria. Die Wahrsagerin war ein altes Weib und sicher gegen 250 Jahre alt. Eine blinde Katze schnurrte auf ihrem Schoss, eine einäugige Krähe krächzte auf ihrer Schulter und auf dem Tisch hinkte eine fünfbeinige Schildkröte umher. Die Wahrsagerin schüttete gegen einige Dirham den Kaffeesatz auf einen Teller und begann zu prophezeien: Ja, beim Bart des heiligen Propheten, Maria wird nach einigen Jahren strenger Arbeit im Hindukusch auf einen hohen Berg steigen, dorthin, wo eisige Winde wehen und grosse Adler ihre Kreise am Himmel ziehen. In einer einsamen und windschiefen Notunterkunft wird sie zu mitternächtlicher Stunde ihren zukünftigen Ehemann finden. Als Kennzeichen, dass es der Auserwählte sein wird, gilt ein Kuss, der mehr als eine Stunde dauern werde – ja, Maria werde sogar vor lauter Küssen das Schlafen für den Rest der Nacht ganz vergessen. Dem Mädchen standen ab diesen schrecklichen Zukunftsaussichten alle Haare und die beiden Zöpfe kerzengerade zu Berge und die gute Patin konnte Maria’s Haarpracht mit dem besten Willen und allem Zureden nicht mehr bändigen. Nach vergeblichem Bemühen suchte sie kurz entschlossen den Barbier im Basar auf, der mit präzisem Schnitt die Zöpfe abschnitt. So brachte Gotte Martheli ihr Patenkind ihren entsetzten Eltern mit einem abendländischen Bubikopf zurück.
Ja, und was ist von der Prophezeiung aus dem Kaffeesatz bei dem alten Weib in der fernen Stadt geworden? Was ist Traum? Was ist Wirklichkeit? Was ist Märchen? Fand der Zopffrevel nicht gerade hier in dieser Stadt statt? Und Maria’s Auserwählter, arbeitete er nicht vor bald 40 Jahren in diesem Haus, hier in der Fata Morgana mitten in der Marokkanischen Wüste? Verdrückte er damals genau hier in diesem Raum, anstelle der libanesischen Köstlichkeiten billigen Kantinenfrass, bestehend aus Braten mit Kartoffelstock, Ärbli und Rüebsli? Was ist Erinnerung? Was ist Traum? Was ist Wirklichkeit? Beim Bart vom heiligen Propheten, wer weiss das so genau?

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Hans und Maria Rüegg
LI-9495 Triesen